Stopp den Pflegeraub

AK Salzburg startet österreichweites Volksbegehren

Salzburg, 19. Februar 2026.


Die Arbeiterkammer Salzburg leitet das österreichweite Volksbegehren „Stopp den Pflegeraub!“ ein. Anlass ist das Festhalten der Salzburger Landesregierung an der Streichung des Pflegebonus für tausende Beschäftigte in Pflege- und Betreuungsberufen.

AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder sowie AK-Direktorin Eva Stöckl sprechen von einem klaren Signal: Pflegekräfte leisten tagtäglich Enormes. Lohnbestandteile zu streichen, sei nicht nur sachlich falsch, sondern auch ein Ausdruck fehlender Wertschätzung. Das Volksbegehren soll eine dauerhafte, gesetzlich abgesicherte Lösung erzwingen.



Worum geht es konkret?

Das Volksbegehren fordert:

  • Zweckwidmung des Pflegebonus, damit die Mittel ausschließlich Beschäftigten in Pflege und Betreuung zugutekommen

  • Auszahlung und Finanzierung über 2028 hinaus

  • Keine Ausnahmen: Pflegebonus für alle Pflege- und Betreuungsberufe

Ziel ist eine gesetzliche Absicherung durch das Parlament.

Unterstützungserklärungen können ab sofort abgegeben werden – digital mit ID Austria oder persönlich in jeder österreichischen Gemeinde.



„Pflegekräfte leisten tagtäglich Enormes für unsere Gesellschaft. Ihnen Lohnbestandteile zu entziehen, ist nicht nur unfair, sondern respektlos“, erklären AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder sowie AK-Direktorin Eva Stöckl, „dieser Pflegeraub muss gestoppt werden – dauerhaft und rechtlich abgesichert.“



Hintergrund: 15.000 Betroffene in Salzburg

Im Herbst kündigte die Salzburger Landesregierung an, mit der Streichung des Pflegebonus rund 15.000 Pflegekräfteneinen Teil ihres Einkommens zu entziehen. Begründet wurde der Schritt mit der Sanierung des Landeshaushalts.

Der Protest war massiv:

  • 83.000 Menschen unterzeichneten die Petition „Stopp den Pflegeraub!“

  • 12.000 Demonstrierende gingen am 25. November 2025 in Salzburg auf die Straße

Obwohl die Landesregierung mittlerweile einen Fehler einräumt, bleibt eine vollständige Korrektur aus. Der Bonus soll nur noch bis Juni 2026 ausbezahlt werden.

Pflege vor strukturellen Herausforderungen

Die AK warnt vor langfristigen Folgen:

  • Abwanderung von Fachkräften in andere Bundesländer oder Branchen

  • Nachwuchsmangel

  • Längere Wartezeiten auf Operationen

  • Weitere Bettensperren in Kranken- und Seniorenwohnhäusern

Die demografische Entwicklung verschärft die Lage zusätzlich: Bis 2035 steigt die Zahl hochbetagter Menschen deutlich. Der Pflegebedarf wächst – während qualifiziertes Personal bereits heute fehlt.



„Die Kolleginnen und Kollegen erhalten mit ihrem Einsatz das Gesundheitssystem in unserem Land, sie haben unsere volle Unterstützung verdient“, betont der Vorsitzende des Fachausschusses für Gesundheits- und Sozialberufe der AK Salzburg, Christian Freisinger.

Zwei zentrale Handlungsfelder

Neben der Absicherung des Pflegebonus sieht die AK strukturellen Reformbedarf.

1. Entlastung pflegender Angehöriger

Rund 947.000 Menschen in Österreich – überwiegend Frauen – übernehmen Pflegearbeit im familiären Umfeld. Oft reduzieren sie ihre Erwerbstätigkeit oder steigen ganz aus dem Beruf aus.

Gefordert werden unter anderem:

  • Ausbau von Tageszentren

  • Verbindlicher Anspruch auf Kurzzeitpflege

  • Stärkung mobiler Dienste und Community Nurses

  • Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit

2. Moderne Personalpolitik in der Pflege

Der Personalmangel betrifft besonders den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (DGKP). Gleichzeitig wird vorhandenes Personal nicht optimal eingesetzt.

Notwendig sind:

  • Klare Kompetenzverteilung zwischen DGKP und Pflege(fach)assistenz

  • Einheitliche Zusatzqualifikationen mit entsprechender Entlohnung

  • Attraktive Karriere- und Upgrade-Modelle

  • Rechtsanspruch auf Pflegestipendium

  • Bessere Anerkennung informell erworbener Kompetenzen

Pflege ist keine Verhandlungsmasse

Die AK Salzburg betont: Pflege ist systemrelevant. Faire Bezahlung und verlässliche Rahmenbedingungen sind zentrale Voraussetzungen, um den Beruf attraktiv zu halten und dem Personalmangel wirksam zu begegnen.

Mit dem Volksbegehren „Stopp den Pflegeraub!“ soll politischer Druck aufgebaut werden, damit der Pflegebonus langfristig abgesichert und gerecht ausgestaltet wird.

Unterstützungen sind ab sofort möglich – online mit ID Austria oder bei jeder Gemeinde in Österreich.



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